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Kann Marihuana dabei helfen, die Heroinabhängigkeit zu überwinden?

  • Der Heroinkonsum hat in den USA ein großes Comeback erlebt und erreicht dabei besorgniserregende Ziffern, sodass Experten bereits von einer Epidemie sprechen. Nur im letzten vergangenen Jahrzehnt hat diese Droge die Sterberate aufgrund von Überdosis um 286 % ansteigen lassen. Ein medizinischer Notstand, der mit dem Konsum von ärztlich verordneten Opiaten als Behandlung gegen Schmerzen und Krankheiten in Verbindung stehen könnte. Da die Heroinsucht viele schwerwiegende gesundheitliche Probleme verursacht, haben einige Personen sich dazu entschlossen, in der Phase des Entzugs Cannabis zu konsumieren. Sie versichern, dass der Cannabiskonsum äußerst effektiv gegen die Entzugserscheinungen wirkt.
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Sie wird Opiat-Epidemie genannt und ist mittlerweile die häufigste unnatürliche Todesursache in den USA. Es handelt sich hierbei um eine Problematik, die nicht nur auf eine Droge zurückzuführen ist, sondern auch auf legal erhältliche Schmerzmittel, die auf Opiaten basieren. Diese Art von Medikamenten und Heroin verursachen alle 19 Minuten einen Tod durch Überdosis. Eine Sterberate, die im vergangenen Jahrzehnt mit einer Zunahme von 79 % zwischen 2007 und 2012 dramatisch anstieg. Laut öffentlichen Quellen verloren im Jahr 2014 mehr als 28.000 Menschen ihr Leben aufgrund von Opiaten. Diese alarmierenden Zahlen werfen bei uns die Frage auf, was in Nordamerika vor sich geht und warum es in der amerikanischen Gesellschaft eine derartig hohe Anzahl von opiatabhängigen Personen gibt.

Tödliche Drogen auf Rezept

Die Ursache dieses beispiellosen Phänomens scheint in der Abhängigkeit von opiathaltigen Schmerzmitteln zu liegen, die in den letzten Jahren allem Anschein nach zu leichtfertig verschrieben wurden. In einer Gesellschaft, in der man daran gewöhnt ist, auch nur die geringsten Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern, hat die Situation nun groteske Züge angenommen, da auf Opiaten basierende Medikamente starke Abhängigkeit verursachen können. Schmerzmittel wie Vicodin, Oxycodon oder Hydrocodon werden in den USA täglich verschrieben, was zur Folge hat, dass ein Teil der Gesellschaft daran gewöhnt ist, den Alltag unter Einfluss dieser legalen Drogen zu bewältigen. Die Zahlen sprechen für sich; die Anzahl der in einem Jahr in den USA verschriebenen Rezepte beläuft sich auf 259 Millionen.

Günstiges und hochwertiges Heroin

Und obwohl das Problem sicherlich auch an der übertriebenen ärztlichen Verordnung dieser Arzneimittel liegt, hat der Preisanstieg dieser Art von Medikamenten dazu geführt, dass Heroin einen geeigneten Ersatz für die Patienten darstellt, da es stärker wirkt und zudem sehr viel günstiger ist. All dies zusammen mit der Finanzkrise, die das Land in den letzten Jahren hart getroffen hat, bot einen perfekten Nährboden dafür, dass sich Städte wie Baltimore in ein Drogenparadies verwandelten. In der besagten Stadt ist der Prozentsatz an drogensüchtiger Bevölkerung besonders hoch und es ist eine auf den Rauschgifthandel basierende Parallelwirtschaft entstanden, die nicht leicht aufzudecken ist.

„Cannabis hat mir dabei geholfen, vom Heroin wegzukommen“

Früher war die Heroinsucht in der nordamerikanischen Gesellschaft vor allem unter schwächeren Bevölkerungsgruppen und Minderheiten verbreitet. Die aktuelle Epidemie scheint aber vor allem die amerikanische Mittelschicht zu betreffen, da die Zahlen von Todesfällen durch Überdosis sich in der lateinamerikanischen und afroamerikanischen Bevölkerung nicht verändert haben, dafür aber in der weißen, mittelständischen Bevölkerung schwindelerregend ansteigen. Die Regierung hat versucht, dieses Problem von verschiedenen Fronten aus anzugehen, so wurden zum Beispiel Entzugsprogramme gestartet, in dessen Rahmen die Süchtigen Ersatzmittel für Heroin erhalten, die allerdings ebenso aggressiv und gesundheitsschädlich sind. In Bundesstaaten wie Kalifornien werden auch andere Maßnahmen angewendet; hier gibt es bereits Programme zur Entgiftung, in denen Cannabis eingesetzt wird, um den Heroinsüchtigen dabei zu helfen, die starken Entzugserscheinungen zu lindern. Wir wollten mehr über diese Methode erfahren, wie sie genau funktioniert und ob sie wirklich so effektiv ist, wie einige versichern.

 

Dafür haben wir mit Ryan gesprochen, ein junger Amerikaner aus New York, der als 15-Jähriger damit begann, auf Opiaten basierte Schmerzmittel zu nehmen, die ihm vom Arzt verschrieben wurden. Genau genommen handelte es sich um Hyrocodon, ein Medikament, dass ihm gegen seine Rückenschmerzen verordnet wurde. Ihm war in keinem Moment bewusst, dass die Einnahme dieses Medikaments zu Suchtproblemen führen könnte und fand die Wirkung der Tabletten sogar witzig. Mit 19 luden ihn ein paar Freunde ein, Heroin auszuprobieren, seitdem und für die nächsten 8 Jahre drehte sich sein komplettes Leben nur noch um diese Droge; er erlitt insgesamt fünf Überdosen und wäre dabei beinahe gestorben. Nach mehreren gescheiterten Rehabilitationsversuchen entschloss sich Ryan dazu, einen Bekannten um Hilfe zu bitten, der eine Cannabisfarm in Kalifornien leitete über die medizinischen Wirkungen der Pflanze Bescheid wusste. So kam es dazu, dass er an einem Entzugsprogramm teilnahm, in dem Cannabis zur Überwindung der Heroinsucht eingesetzt wird.

Bevor Du heroinsüchtig wurdest, hast Du bereits regelmäßig ärztlich verordnete, auf Opiaten basierte Schmerzmittel eingenommen. Denkst Du, dass diese Medikamente zu leichtfertig verordnet werden und dadurch zu Suchtproblemen führen können?

Als ich damit begann, Hydrocodon zu nehmen, hatte ich keine Ahnung, was für Probleme mir dieses Medikament bereiten würde. Ich denke ja; einige Ärzte verschreiben diese Art von Medikamenten wie Lutschbonbons und ja, sie können definitiv Suchtprobleme verursachen.

Glaubst Du, dass Personen, die opioide Arzneimittel konsumieren, ein höheres Risiko haben, heroinabhängig zu werden?

Ich denke, dass dies vor allem davon abhängig ist, ob sich diese Person in einem sozialen Umfeld bewegt, in dem Heroin präsent ist. Wenn man abhängig von Schmerzmitteln ist und Heroin probiert, wird es einem zweifellos gefallen und kann somit sehr leicht abhängig werden.

Der Anstieg des Heroinkonsums in den USA wird bereits als Epidemie bezeichnet. Was ist da los? Worin liegt deiner Meinung nach die Ursache für dieses Phänomen?

Ich glaube, dass dies vor allem mit dem einfachen Zugang und dem niedrigen Preis der Drogen zu tun hat. In New York kann jeder in den Straßen von Rochester ein Tütchen für 5 Dollar kaufen. Das ist einer der Gründe, warum viele Leute von Schmerzmitteln auf Heroin umsteigen. Um high zu werden, braucht man ungefähr fünf Tabletten Hydrocodon und eine Tablette kostet um die 10 Dollar. Die Wirkung von Heroin ist um ein Vielfaches stärker und außerdem sehr viel billiger.

Welche Cannabissorten hast Du während Deinem Heroinentzug konsumiert und auf welche Art?

Ich hatte bereits an mehreren Entzugsprogrammen in New York teilgenommen, aber dabei wurde das Heroin immer durch andere Medikamente ersetzt, um clean zu werden. Für mich hatte das wenig Sinn. Aber dieses letzte Mal war anders. Ich ging in die kalifornischen Berge und benutzte Kokosöl, dass THC und CBD enthielt, eine Substanz, die einer Droge namens Suboxone sehr ähnelt, die in New York in Entzugsprogrammen eingesetzt wird. Ehrlich gesagt hat dieses cannabische Öl mir unglaublich dabei geholfen, die Entzugserscheinungen zu lindern und dabei erlitt ich keinerlei negative Nebenwirkungen, wie bei den anderen Medikamenten, die ich vorher probiert hatte.

Hast Du während des Entzugs auch Cannabis in konzentrierterer Form konsumiert, hast Du zum Beispiel „gedabbt“?

Es ist interessant, dass Du mich danach fragst. Während des Entzugs gab es Momente, in denen die Entzugserscheinungen unerträglich wurden, da habe ich Extrakte mit hohem THC-Gehalt gedabbt, die mir beim Einschlafen halfen. Schlafen ist während des Entzugs praktisch unmöglich und das Dabben war in dieser Zeit eine große Hilfe.

Auf diese Weise habe ich Cannabis nur während der Entzugsphase konsumiert.

Also dabbst Du jetzt nicht mehr? Welche Cannabissorten benutzt Du und wie konsumierst Du sie?

Nein, ich konsumiere keine Extraktionen mehr, ich bevorzuge CBD-haltige Sorten mit niedrigem THC-Gehalt. Das funktioniert am besten. Was nicht heißen soll, dass es für alle Welt am besten ist, aber bei mir funktioniert es.

Momentan konsumierst Du täglich Cannabis. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, es zu lassen, bzw. den Konsum einzuschränken?

Ja, das habe ich, aber ehrlich gesagt ist Cannabis mittlerweile wie ein Teil von mir, es hilft mir dabei, meinen Alltag zu bewältigen, es wirkt sich positiv auf meinen Geist und meinen Körper aus, weshalb ich keinen Grund sehe, damit aufzuhören. Ärzte verschreiben Medikamente, die täglich eingenommen werden müssen und ernsthaft die Gesundheit der Patienten beeinträchtigen. Ich habe mich für ein natürliches Medikament entschieden, dass nicht nur genauso gut, sondern sogar besser als die chemischen Arzneimittel funktioniert und mir dabei hilft, Depressionen, Nervosität und Rückenschmerzen zu bekämpfen. Ich persönlich komme damit sehr viel besser klar, als mit allen Medikamenten, die ich bisher probiert habe.

Denkst Du, dass Du eine Sucht durch eine andere ersetzt hast?

An diesem Punkt meines Lebens kann ich sagen, dass wenn die Sucht nach Cannabis meine Heroinsucht ersetzt hat, ich dafür sehr dankbar bin. Glaub mir, wenn ich kein Cannabis konsumieren würde, wäre ich jetzt nicht hier.

Kennst Du ähnliche Fälle von Leuten, die ihre Heroinsucht dank Marihuana in den Griff bekommen haben?

Ja, ich kenne Leute in Kalifornien und Colorado. Hier in New York gibt es aufgrund der Gesetzgebung zu Cannabis weniger solche Fälle. Wenn der rechtliche Rahmen in New York ein anderer wäre, gäbe es sicherlich mehr Fälle, denke ich. Hier ist der Einsatz von Marihuana zu medizinischen Zwecken zwar erlaubt, aber nicht, um damit Suchterkrankungen zu behandeln. Ich denke, dass eine Legalisierung in diesem Sinne den Heroinkonsum bedeutend verringern könnte. Wir arbeiten gerade an einem Projekt zur Förderung des Cannabiskonsums während dem Heroinentzug, es ist aber rechtlich gesehen sehr schwer durchzusetzen.

Denkst Du, dass diese Methode bei allen gleich funktioniert? Oder könnte das von dem Organismus eines jeden Einzelnen abhängig sein?

Ich persönlich denke, dass diese Methode im Rahmen eines geeigneten Programms bei jedem funktionieren kann. Cannabis ist eine sehr spezielle Pflanze, die bei einer korrekten Nutzung wirklich etwas im Denken des Individuums verändern und allen opiatabhängigen Personen dabei helfen kann, clean zu bleiben. Das Programm muss gut strukturiert sein und nicht nur auf den Heroinentzug an sich abzielen, sondern der Person auch auf persönlicher Ebene helfen. Ich denke, dass die Teilnehmer in dieser Art von Programmen über Cannabis unterrichtet werden sollten, sei es über den Anbau oder andere Aspekte der Pflanze. Diese Informationen könnten den Teilnehmern dabei helfen, später einen Job in der Cannabisindustrie zu finden.

Wie genau hat Marihuana Dir dabei geholfen, kein Heroin mehr zu konsumieren? Hilft es wirklich dabei, die Entzugserscheinungen zu verringern?

Man sollte es nicht als ein separates Element, sondern eher als einen Teil eines umfassenden Prozesses verstehen. Das erste was ich tat, als ich mich für den Entzug entschloss, war, mich von all den Leuten zu distanzieren, die etwas mit dem Umfeld zu tun hatten. Cannabis hat meinem Leben eine neue Perspektive gegeben, ich glaube, es hat irgendeinen Schalter in mir umgelegt und meine Nervosität und das Verlangen nach Heroin verringert. Es hat mein Leben in vielen Aspekten verändert, es hat mir nicht nur mit meiner Heroinabhängigkeit geholfen. Für mich ist es sowohl eine körperliche als auch geistige Unterstützung.

Bezüglich Deiner zweiten Frage, ja, ich denke, dass ich ohne Cannabis den Entzugserscheinungen nicht hätte standhalten können. Wie ich vorhin schon erzählt habe, war ich hier in New York in den verschiedensten Rehabilitationszentren, aber dieser letzte Entzug mit Cannabis war der einzige, der mir wirklich dabei geholfen hat, meine Heroinsucht zu überwinden. Ich habe in Kalifornien mehrere Monate lang auf Cannabisfeldern gearbeitet, wodurch ich die Pflanze erst richtig schätzen gelernt habe.

Heute bin ich glücklich und endlich weg vom Heroin, dafür bin ich unglaublich dankbar.

22/03/2017

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