cochinilla principal

Schädlinge bei Cannabispflanzen: Wie man Schildläusen vorbeugt und befallene Pflanzungen behandelt

  • Die Schildlaus ist ein kleines Insekt, dass sich bei hohen Temperaturen und wenig Niederschlägen besonders wohl fühlt. Sie ernährt sich vom Zellsaft der Wirtspflanze und schwächt diese dadurch.
  • Die klebrigen Spuren, die sie auf ihrer Suche nach Nahrung auf der Pflanze hinterlässt, sind ein wichtiges Merkmal, um den Schädling zu identifizieren, wobei er im Außenanbau oft erst später bemerkt wird als im Innenanbau.
  • Noch viel schlimmer ist, dass die Ausscheidungen der Schildläuse einen Pilz begünstigen (den sogenannten Rußtaupilz), der das Pflanzengewebe zerstört. Hier erfährst Du alles, was man über diese lästigen Gäste wissen sollte.
cochinilla principal

Schädlinge im Marihuana-Anbau tauchen oftmals genau dann auf, wenn wir am wenigsten mit ihnen rechnen und es ziemlich schwer wird, ihnen zu Leibe zu rücken. Schildläuse und Blattläuse gehören zu den am häufigsten vorkommenden Pflanzenschädlingen und sind besonders gefährlich, wenn sie unbemerkt bleiben: Sie können unsere Pflanzung im ungünstigsten Moment ruinieren.

Diese winzigen (zwischen 1mm und 1 cm großen) Insekten haben sieben Beinpaare und ein Paar Antennen und können sowohl im Innenanbau als auch im Außenanbau auftauchen, sie brauchen nur ideale Bedingungen wie hohe Temperaturen und wenig Feuchtigkeit, damit sie sich einschleichen können. Schildläuse zeichnen sich durch eine Art Schutzschild oder Panzer aus, der je nach Spezies eine unterschiedliche Farbe und Konsistenz hat und oftmals die Behandlung mit Insektenbekämpfungsmitteln erschwert. Es gibt an die 8.000 Schildlaus-Arten, die sich in verschiedene Familien unterteilen, aber Hanfgärtner haben besonders Schmierläuse (auch Wollläuse genannt) und Napfschildläuse zu fürchten.

Schmierläuse haben eine gräuliche Farbe und sind mit einer seidigen, weißen Substanz überzogen, die dazu dient, ihre Eier zu schützen. Die Napfschildlaus erinnert dagegen mit ihrem schützenden Panzer an eine Napfschnecke, bloß in dunkler. Beide Arten greifen die an der Luft liegenden Pflanzenteile an und gehen dabei sehr ähnlich vor: Sie kriechen über die Pflanze auf der Suche nach Nahrung, die sie erhalten, indem sie den Zellsaft anzapfen und sondern gleichzeitig eine klebrige, süße Flüssigkeit (auch Honigtau genannt) ab. 

Wie kann man Schildläusen an Marihuanapflanzen vorbeugen?

Die Schildlaus kann über andere Pflanzen in der näheren Umgebung, beispielsweise Rosenstöcke, Geranien oder andere Zierpflanzen in unseren Marihuana-Anbau gelangen. Deswegen ist es besonders wichtig, einen Sicherheitsabstand zu vorhandenen Pflanzen einzuhalten. 

Die Schildläuse haben bei hohen Temperaturen und wenig Feuchtigkeit gute Bedingungen zur Fortpflanzung. Um ihnen vorzubeugen, sollten wir also vermeiden, dass derartige klimatische Bedingungen in unserem Anbau herrschen und gleichzeitig auf eine gute Luftzirkulation achten, besonders beim Innenanbau. Der Schädling macht sich vor allem in der wärmeren Jahreszeit breit, oder auch wenn den Pflanzen bestimmte Nährstoffe fehlen. Des Weiteren kann man Schildläusen auch vorbeugen, indem man ein paar natürliche Fressfeinde in den Anbau integriert, wie zum Beispiel der klassische Marienkäfer, der einer ihrer ärgsten Feinde ist.

Warum ist die Schildlaus so gefährlich?

Schildläuse zerstören nicht einfach nur die Pflanzen, sondern breiten sich auch unglaublich schnell aus. Die Männchen können fliegen und befruchten die flügellosen Weibchen, was dazu führt, dass der Schädling sich schnell vermehrt. Das Männchen sucht im Flug nach Weibchen, welche nach der Paarung Eier auf der Wirtspflanze ablegen. Ein Weibchen kann zwischen 300 - 500 Eier legen und unter besonders günstigen Bedingungen sogar bis zu 2000.

Aus den Eiern schlüpfen Larven, die in wenigen Tagen voll ausgewachsen sind. Ihr schnelles Wachstum bewirkt, dass auf den Pflanzen möglicherweise verschiedene Generationen von Schildläusen gleichzeitig hausen, vor allem unter den Blättern und in Kolonien an den Stängeln.

Ihr Vermehrungspotenzial machte sie in der Vergangenheit aber auch zu einem kommerziell sehr lohnenswerten Insekt: Der aus der Schildlaus gewonnene und heiß begehrte karminrote Farbstoff war schon vor Jahrhunderten in vielen Teilen der Welt bekannt. Die Cochinilleschildlaus (Dactylopius coccus) ist ein parasitäres Insekt, dass sich vom Feigenkaktus, der mexikanischen Nationalpflanze, ernährt. Aus den getrockneten und zerstampften Schildlausweibchen entsteht Karminsäure, die Grundlage für den Farbstoff. 

Die Azteken benutzten das Farbpigment bereits, bevor die Spanier nach Amerika gelangten. Als die Spanier 1521 Mexiko eroberten, sahen sie, wie die Einheimischen mit Hilfe von Tierschwänzen die Insekten von den Kakteen lösten und einsammelten. Sie führten den Farbstoff im 14. Jahrhundert in Europa ein. Seit dem Mittelalter suchte man dort nach dem perfekten roten Farbstoff, was die Schildläuse schnell zu einem der wertvollsten Importgüter des Spanischen Imperiums machte, da ihr Wert nur mit purem Gold zu überbieten war.

Wie Du Schildlausbefall erkennen und Deine Pflanzung retten kannst

Ein Schlüssel zum Erfolg im Marihuana-Anbau besteht darin, Deine Pflanzen stets genau zu beobachten und dabei auf Veränderungen zu achten, um im Falle von Schwächeanzeichen schnellstens aktiv zu werden.

Normalerweise beginnt der Schildlausbefall am unteren Ende des Stängels, von wo aus sich die Tierchen dann langsam hochrangeln und ausbreiten. Deswegen sollten wir den unteren Bereich der Pflanzen gut überprüfen, um einen Schildlausbefall bereits an seinen ersten Anzeichen zu erkennen. Auch das Vergilben der Blätter kann ein Indiz dafür sein, dass der Pflanze Zellsaft abgezapft wird.

Ein definitives Anzeichen für einen Schildlausbefall sind die klebrigen Spuren, die das Insekt bei seiner Fortbewegung hinterlässt. Die Schildlaus kriecht über die Pflanze auf der Suche nach Zellsaft und dabei sondert ihr Körper ein klebriges Sekret ab (Honigtau), dass am Stängel hängen bleibt. Wenn wir solche Klebespuren an unserer Pflanze bemerken, ist dies ein schlechtes Zeichen. Ein Schmierlausbefall lässt sich auf den ersten Blick an zuckerwatteähnlichen Gespinsten, unter denen sie ihre Eier ablegen, erkennen. Es ist auch ratsam, die Blätter abzutasten, um zu überprüfen, ob sie klebrig sind. Der von den Läusen abgesonderte Honigtau bildet den idealen Habitat für andere Schädlinge, wie zum Beispiel den Rußtaupilz, der die Blätter schwarz verfärbt und somit die Fotosynthese behindert.

Vorsicht: Die Präsenz von Honigtau ist nicht immer nur auf Schildläuse zurückzuführen! Auch Blattläuse und die weiße Fliege hinterlassen ähnliche Sekrete, was zu Verwirrungen führen kann. Deswegen sollte man am besten das Insekt direkt auf der Pflanze orten, um wirklich sicherzugehen, dass unsere Pflanzung von diesem und keinem anderen Schädling befallen ist.

Ameisen sind ein großer Verbündeter der Schildlaus und können ebenfalls ein Anzeichen dafür sein, dass unsere Pflanzung befallen ist. Die Ameisen sind dafür bekannt, Schild- und Blattläuse wie Schafsherden zu hüten und zu beschützen. Die Ameisen „melken" ihre Läuse regelmäßig, indem sie diese stimulieren und dann den von ihnen ausgeschiedenen Honigtau einsammeln.

Unsere Pflanzung hat Schildläuse! Was ist zu tun?

Die Schildlaus schwächt unsere Pflanze, indem sie sich an deren Zellsaft labt. Deswegen sollte man nach Erkennen des Befalls schnellstmöglich handeln.

Zunächst sollte man befallene Pflanzen aus der Pflanzung entfernen, um zu vermeiden, dass die Schildlaus sich ausbreitet und natürlich auch die anscheinend gesunden Pflanzen überprüfen. Nun können wir mit der Behandlung beginnen. Wir haben bereits erwähnt, dass die Schildläuse einen Schutzpanzer haben, der sie vor äußeren Angriffen schützt, weshalb der Einsatz von Insektenbekämpfungsmitteln oftmals nicht ausreicht, um sie auszumerzen. 

Es gibt jedoch einige alternative Lösungen, die außerdem natürlich sind und uns deswegen auch sehr gelegen kommen, wenn sich die Pflanzen bereits in der Blütephase befinden, da man zu diesem späten Zeitpunkt unbedingt auf chemische Pestizide verzichten sollte. Wir können uns für eine der folgenden Lösungen für unsere Pflanzen entscheiden:

  • Seifenlauge mit Alkohol: Dafür einfach einen Löffel Flüssigseife mit ein wenig lauwarmen Wasser vermischen und im Anschluss mit einem Liter Wasser aufgießen. Wenn man mag, kann man einen Löffel Brennspiritus hinzufügen. Wenn die Mischung fertig ist, besprühe damit die Pflanze.
  • Farnkraut-Tee: Einen Tee mit einer Handvoll Farnblättern pro Liter Wasser herstellen und damit die Pflanze besprühen. Dieses Mittel eignet sich vor allem für den Innenanbau. 
  • Seifenlauge mit Tabak: Einen Löffel Seife in 5 Liter Wasser auflösen, dann 6 Löffel Tabak hinzufügen. Alles gut vermischen und damit die Pflanze besprühen.
  • Oregano-Jauche: Eine Mischung aus drei Löffeln getrocknetem Oregano pro Liter Wasser herstellen und 7 Tage stehenlassen. Abseihen und alle zwei Wochen die Pflanzen damit besprühen.
  • Natürliche Fressfeinde: Andere Insekten, wie Marienkäfer oder Schlupfwespen einsetzen, die sich von Schildläusen ernähren. Obwohl diese im Outdoor meistens von selbst angelockt werden. Deswegen sind viele Grower davon überzeugt, dass die Erhaltung der Biodiversität von regionalen Insekten sehr wichtig ist.

Die Schildlaus ist ohne Zweifel ein sehr häufig vorkommender Schädling im Marihuana-Anbau, wir zählen aber auch mit einer Reihe von Maßnahmen, um ihr vorzubeugen, bzw. ihren Befall zu bekämpfen. Und die sollten wir auf jeden Fall einsetzen, damit unsere Cannabispflanzen höchstmöglichste Erträge erzielen können.

22/01/2017

Kommentare unserer Leser

Noch keine Kommentare vorhanden. Wollt ihr die ersten hinterlassen?

Kommentar hinterlassen

Kontakt

x
Kontaktier uns