Wie wirkt sich Marihuana hormonell gesehen auf den Körper aus?

  • Jeder hat seine Gründe, warum er Marihuana konsumiert, aber man sollte dabei immer verstehen, was die Pflanze genau in unserem Körper bewirkt.
  • Wie mittlerweile bekannt ist, beeinflusst Cannabis zahlreiche Hormone, darunter u. a. die Östrogene, Testosteron und die Wachstumshormone.
  • Die Interaktion von Cannabis mit dem endokrinen System muss jedoch nach wie vor eingehender erforscht werden, und dafür sind neue Studien über die Beziehung zwischen der Pflanze und den Hormonen nötig.

Im menschlichen Körper arbeiten verschiedene Systeme zusammen, um die lebenswichtigen physiologischen Funktionen zu sichern. Das endokrine System ist für die Hormonproduktion zuständig und gewissermaßen das Kommunikationsnetz des Körpers. Es besteht aus dem Hypothalamus, der Bauchspeicheldrüse, den Sexualorganen sowie Schilddrüse, Zirbeldrüse und Nebenniere. Die Hormone werden dort produziert und fungieren dann als chemische Botenstoffe für den Körper.

Abgesehen von bekannteren Systemen wie dem Blutkreislauf oder dem Lymphsystem besitzen wir Säugetiere auch ein sogenanntes Endocannabinoid-System, ein Neuronennetzwerk im Hirn (im zentralen und im peripheren Nervensystem), über das zahlreiche, ganz unterschiedliche Körperfunktionen wie Appetit, Schmerzempfinden und Stimmung geregelt werden.

Zwischen dem Endocannabinoid-System und dem endokrinen System besteht eine starke Verbindung, und genau aufgrund dieser Interaktion ist Cannabis, z. B. ein effizientes Schmerzmittel, wirkt appetitanregend und stimmungsregulierend. Leider gibt es bislang nur wenige Studien über die Wirkung von Cannabis auf das endokrine System. Die Erkenntnisse, zu denen man bereits gelangt ist, sind aber deshalb nur umso erwähnenswerter!

Im Körper gibt es unzählige Hormone mit ganz verschiedenen Aufgaben. Die bekanntesten sind Testosteron, Östrogen, Cortisol, Insulin, Progesteron, Prolaktin und die Schilddrüsenhormone. Diese Hormone beeinflussen unter anderem die Fruchtbarkeit, das Wachstum, das Immunsystem, die Stimmung und den Stoffwechsel.

Zwischen dem Endocannabinoid-System und dem endokrinen System besteht eine starke Verbindung, und genau deshalb ist Cannabis ein effizientes Schmerzmittel.

Wie sich Cannabis Wissenschaftlern zufolge auf die Hormone auswirkt

Erst kürzlich wurde entdeckt, dass der regelmäßige Cannabiskonsum sich auf Prolaktin sowie die Nebennieren-, Schilddrüsen- und Wachstumshormone auswirken kann. Eine vorklinische Studie hat ergeben, dass THC vermutlich das einzige Cannabinoid ist, das die Hormone regulieren kann. Wie erklärt sich dies?

Nach Ansicht der Forscher liegt dies daran, dass das Cannabinoid Neurotransmitter im Hypothalamus sowie im Zentralnervensystem beeinflusst (der Hypothalamus ist der untere, zentrale Hirnabschnitt, der das endokrine System mit dem zentralen Nervensystem verbindet). Cannabis und besonders THC beeinflussen auch lebenswichtige Sexualhormone wie die Östrogene, Testosteron und Wachstumshormone.

Nach einer aktuellen Studie beispielsweise, deren Ergebnisse im Januar 2019 veröffentlicht wurden, produzieren Männer, die Cannabis rauchen, mehr Sperma und haben einen höheren Testosteronspiegel. Eigentlich waren die Forscher davon ausgegangen, dass Cannabis die Qualität des Samens negativ beeinflussen würde; tatsächlich deutete jedoch alles darauf hin, dass ein mäßiger Konsum sich positiv auf die für die Fruchtbarkeit relevanten Hormone auswirken kann. Handelt es sich jedoch um einen exzessiven Konsum, so gibt es keinen derartigen positiven Effekt.

Cannabis und weibliche sowie männliche Hormone

Lange Zeit konzentrierte sich die Forschung eher auf den Zusammenhang zwischen Cannabis und den Hormonen von Männern statt von Frauen. Bislang weiß man, dass der Cannabiskonsum zu einem Anstieg der Testosteronproduktion führt, umgekehrt jedoch ein hoher THC-Gehalt auch eine antiöstrogene Wirkung haben, d. h. die Wirkung der weiblichen Sexualhormone blockieren kann.

THC hat eine entscheidende Wirkung auf die Körperhormone hat, weil es verschiedene Neurotransmitter im Hypothalamus beeinflusst.

Viele Forscher glauben auch, dass Frauen während des Eisprungs besonders sensibel auf Cannabinoide wie THC reagieren. Neue Studien bestätigen, dass der weibliche Körper je nach Östrogenspiegel Marihuana anders aufnimmt als der von Männern. Nach einer Untersuchung der Washington State University aus dem Jahr 2014 sind weibliche Ratten rund 30 % sensibler für die schmerzlindernde Wirkung von THC als männliche, was sich vor allem an einer höheren Schmerztoleranz zeigt. Während des Eisprungs steigt die Reaktion auf Medikamente zusätzlich. Um mehr über den Zusammenhang zwischen Cannabis und der Hormonproduktion bei Frauen sagen zu können, braucht es allerdings zuerst mehr Untersuchungen inklusive klinischer Studien.

In den letzten Jahren hat man entdeckt, dass hohe Prolaktinwerte Veränderungen bei Frauen bewirken können, darunter: erhöhter Stresspegel, psychische Probleme wie Angstattacken und Depressionen, Unfruchtbarkeit, Osteoporose und sogar Östrogendominanz. Manche therapeutischen und medizinischen Vorteile von Cannabis könnten hier sehr hilfreich sein.

Niedrige Prolaktinwerte wiederum sollen das Risiko einer Erkrankung an Brust- und Hodenkrebs senken. Obwohl wenig Prolaktin besser ist als viel, kann es nach der Geburt und für die Fruchtbarkeit negative Folgen haben, wenn das Hormon unterdrückt wird.

Andere relevante Hormone

Bislang gibt es nur wenige Studien über die Auswirkung des Cannabiskonsums auf die Schilddrüse. Bekannt ist, dass Cannabis zu niedrigeren Werten von TSH führen kann, dem Schilddrüsen-stimulierenden Hormon, das die Funktion der Drüse steuert. Es gilt jedoch noch vieles zu erforschen; der genaue Einfluss von Cannabis auf die Arbeit der Schilddrüse ist nach wie vor unklar.

Ein anderes Hormon, das durch Cannabis beeinflusst wird, ist das sogenannte Wachstumshormon Somatropin (HGH), das in der Hypophyse gebildet wird. HGH interagiert direkt mit den CB1-Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems; es stimuliert den Kohlenhydratstoffwechsel, erhöht die Sensibilität der Insulinrezeptoren und sorgt für mehr Muskelmasse. Diese Effekte wiederum reduzieren den Fettgehalt im Körper.

Wenn es unterdrückt wird, werden die Vermehrung und das Wachstum von Krebszellen blockiert, was einen großen Vorteil darstellen könnte. Gleichzeitig ist das Hormon jedoch auch für die weibliche Fruchtbarkeit und den natürlichen Zyklus der Frau entscheidend und trägt zur geistigen und körperlichen Entwicklung bei.

Um zu verstehen, wie Cannabis das endokrine System beeinflusst, muss also noch viel eingehender geforscht werden. Obwohl die Cannabinoide neben vielen anderen Vorteilen schmerzlindernd, entzündungshemmend und antidepressiv wirken können, können nur zukünftige Studien wirklich klären, wie die Pflanze sich auf die Hormonproduktion auswirkt.

09/05/2019

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