Wechselwirkungen zwischen CBD und anderen Medikamenten

  • Dank seiner zahlreichen therapeutischen Vorteile ist das Cannabinoid CBD in den letzten Jahren zunehmend ins Rampenlicht gerückt.
  • Seit bekannt wurde, dass sich das Dravet-Syndrom effizient mit ihm behandeln lässt, ist das Forschungs- und Medieninteresse an seinen Eigenschaften deutlich gewachsen.
  • Trotz seiner Wirksamkeit zur Behandlung verschiedener Krankheiten aber müssen die Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln berücksichtigt werden, da letztere sonst beeinträchtigt oder Nebenwirkungen verursacht werden könnten.

Der Markt ist heute übersät von CBD-Öl und anderen therapeutischen Erzeugnissen auf Basis dieses Cannabinoids. CBD ist ein Cannabis-Inhaltsstoff, der für unseren Körper gut verträglich ist, nicht süchtig macht und nur sehr schwache Nebenwirkungen besitzt. Zudem hat das Cannabinoid keinerlei psychoaktiven Effekt sowie großes therapeutisches Potenzial und wird bereits in zahlreichen Behandlungen eingesetzt. Deshalb haben Wissenschaftler begonnen, mögliche Wechselwirkungen von CBD mit anderen Stoffen eingehender zu untersuchen.

Die Wirkung von CBD auf die Cytochrome P450

Die Cytochrome P450 sind eine große Gruppe von Leberenzymen, die einen Großteil der Medikamente verarbeiten, die wir einnehmen (rund 60 %). CBD kann die Aktivität dieser Enzyme hemmen, sie gewissermaßen zeitweise deaktivieren und damit die Verstoffwechselung anderer Stoffe, Arzneimittel oder sogar THC verändern. Das sollte man unbedingt im Hinterkopf behalten, wenn man CBD mit anderen Medikamenten einnimmt, da das Cannabinoid die Wirksamkeit und auch die Nebenwirkungen letzterer beeinflussen könnte.

Diese hemmende Wirkung auf die Leberenzyme hängt vor allem von der Dosierung ab: In sehr niedriger Dosierung beeinflusst das CBD die Arbeit der Leber nicht oder kaum, sodass diese andere Stoffe unverändert umsetzen kann. Wo die Grenze liegt, ab der man aufpassen muss, ist aber bislang nicht bekannt.

Die Wirkung verschiedener Medikamente auf CBD

CBD wird von den Enzymen CYP3A4 und CYP2C19 verarbeitet, die zur Familie der Cytochrome P450 gehören. Wird CBD mit anderen Arzneimitteln kombiniert, die diese Enzyme hemmen, so kann dies die Plasmakonzentration des Cannabinoids, d. h. den in einer bestimmten Menge enthaltenen Anteil, erhöhen. Einfach ausgedrückt würde dies die Wirkung von CBD verstärken sowie das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen. Die Liste von Medikamenten, die diese Enzyme hemmen, ist lang und umfasst mehrere Antimykotika, Antibiotika, Antidepressiva und Angstblocker.

Arzneimittel, die die Enzyme CYP3A4 und CYP2C19 aktivieren, wie u. a. einige Barbiturate und Antikonvulsiva, können hingegen die Wirksamkeit von CBD reduzieren. In diesem Fall müsste die Cannabidiol-Dosis erhöht werden.

Die Wirkung von CBD auf andere Medikamente

  • Diazepam: Die P450-Cytochrome verstoffwechseln verschiedene Angstlöser, darunter auch Diazepam. Wenn dieses Medikament zusammen mit CBD eingenommen wird, so ist bei der Dosierung Vorsicht angesagt, da sonst ein höheres Risiko für Nebenwirkungen besteht.
  • Clobazam: Eine über 8 Wochen durchgeführte Studie, bei der 13 epilepsiekranke Kinder mit Clobazam und CBD behandelt wurden, hat gezeigt, dass die Interaktion von Cannabidiol mit den Enzymen CYP3A4 und CYP2C19 die Bioverfügbarkeit von Clobazam erhöht, also mit einer geringeren Dosis des Medikaments die gleiche Wirkung erzielt werden kann. So können auch die Nebenwirkungen reduziert werden.
  • Blutverdünner und Entzündungshemmer: Einige Studien deuten darauf hin, dass CBD auch das Leberenzym CYP2C9 hemmt, das ebenfalls zur Familie der P450-Cytochrome gehört und u. a. für die Umsetzung von Gerinnungsmitteln zuständig ist. Damit würde die Verstoffwechselung von Medikamenten wie Warfarin (Blutverdünner) oder Diclofenac (ein Entzündungshemmer, der häufig zur Behandlung von rheumatoider Arthritis eingesetzt wird) beeinträchtigt werden.
  • Barbiturate: Klinischen Studien zufolge erhöht die Wechselwirkung zwischen CBD und Hexobarbital, einem Barbiturat mit beruhigender und hypnotischer Wirkung, die Bioverfügbarkeit des letzteren und erleichtert dessen Abbau.
  • Krebsmedikamente: Angesichts der Tatsache, dass CBD zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen infolge von Krebsbehandlungen eingesetzt wird, sollte unbedingt betont werden, dass das Cannabinoid mehreren Studien zufolge die Bioverfügbarkeit von Krebsmedikamenten erhöht – umso mehr, da diese Art von Medikamenten sehr aggressiv sind und eine Verstärkung ihrer Wirkung zu einer Überdosis und/oder stärkeren Nebenwirkungen führen könnte. Bei einer Verabreichung mit CBD sollte die Dosierung deshalb unbedingt neu berechnet werden.
  • Valproat: Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass eine Kombination von CBD mit dem Antiepileptikum Valproat den Transaminasengehalt in der Leber erhöhen und bei dauerhafter Nutzung zu Schäden an dem Organ führen kann. Wenn die beiden Stoffe gleichzeitig eingenommen werden, sollte dies unbedingt berücksichtigt und die Dosierung angepasst werden, um dieses Risiko zu minimieren.
  • Depressoren des zentralen Nervensystems und Alkohol: Zu den Depressoren des ZNS gehören beispielsweise Beruhigungsmittel, Schlafmittel und Hypnotika. Die Kombination aus dieser Art von Arzneimitteln und/oder Alkohol mit CBD verstärkt die Müdigkeit und Benommenheit drastisch.

Ist eine CBD-Überdosis möglich?

Bislang ist noch kein Todesfall durch eine Cannabinoid-Überdosis bekannt. Was CBD angeht, so wurde bewiesen, dass unser Körper selbst hohe Dosierungen von bis zu 1500 mg/Tag sehr gut verträgt. Dennoch muss dieser Cannabis-Inhaltsstoff nach wie vor eingehender erforscht werden und sollte zur Behandlung einer Krankheit ausschließlich unter ärztlicher Betreuung angewendet wird.

 

Epidiolex (Cannabidiol): A New Hope for Patients With Dravet or Lennox-Gastaut Syndromes Jeffrey W. Chen, MBA, Laura M. Borgelt, PharmD, FCCP, BCPS, Allison B. Blackmer, PharmD, BCPS, BCPPS, FCCP

 Geffrey AL, Pollack SF, Bruno PL, et al. Drug–drug interaction between clobazam and cannabidiol in children with refractory epilepsy. Epilepsia. 2015;56:1246–1251 2.

Ujváry I, Hanuš L. Human metabolites of cannabidiol: a review on their formation, biological activity, and relevance in therapy. Cannabis Cannabinoid Res. 2016;1:90–101

Brzozowska N, Li KM, Wang XS, et al. ABC transporters P-gp and Bcrp do not limit the brain uptake of the novel antipsychotic and anticonvulsant drug cannabidiol in mice. Peer J. 2016;4:e208–

Jones G, Pertwee RG. A metabolic interaction in vivo between cannabidiol and 1 –tetrahydrocannabinol. Br J Pharmacol 1972; 45(2): 375-7.

Holland ML, Allen JD, Arnold JC. Interaction of plant cannabinoids with the multidrug transporter ABCC1 (MRP1). Eur J Pharmacol 2008; 591(1-3): 128-31.

Cannabis Cannabinoid Res. 2017; 2(1): 139–154. Published online 2017 Jun 1. doi: 10.1089/can.2016.0034

07/03/2019

Kommentare unserer Leser

Noch keine Kommentare vorhanden. Wollt ihr die ersten hinterlassen?

Kommentar hinterlassen

Kontakt

x
Kontaktier uns